Gert Kekstadt MdHB Ihr SPD-Bürgerschaftsabgeordneter für Bergedorf

Medizinische Versorgung: Finanzielle Anreize für Ärzte notwendig

von links: Frank Liedtke, Gert Kekstadt, Margret von Borstel, Simone Gündüz und Gregor Brinckmann

von links: Frank Liedtke, Gert Kekstadt, Margret von Borstel, Simone Gündüz und Gregor Brinckmann

Rund 40 Interessierte kamen am 10. Oktober ins Soziale Zentrum, um über die “Zukunft der hausärztlichen Versorgung im Bezirk Bergedorf” zu diskutieren. Gert Lekstadt hatte hierzu den Bergedorfer Hausarzt Gregor Brinckmann, Margret von Borstel, Geschäftsführerin des Bethesda Krankenhauses Bergedorf (BKB), Frank Liedtke, Geschäftsführer der Barmer GEK, sowie Simone Gündüz, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Bergedorf, eingeladen. Einig war man sich dabei darin, dass in Bergedorf in einigen Bereichen Ärzte fehlen würden und die Anreizsysteme für Ärzte falsch gesetzt seien. Insbesondere müsse es für junge Ärzte wirtschaftliche Anreize geben, um das Wagnis einer Praxisgründung auf sich zu nehmen. In diese Richtung will Kekstadt jetzt auch eine politische Initiative starten.

Frank Liedtke bei seinem Vortrag

Frank Liedtke bei seinem Vortrag

Zunächst stellte Kekstadt die Ergebnisse einer Umfrage zur medizinischen Versorgung vor, die er unter 173 Bergedorfer Haus- und Fachärzten durchgeführt hatte. Von denen hatten 50 geantwortet. Mehrheitlich sehen die Ärzte dabei zukünftige Engpässe bei der medizinischen Versorgung. Insbesondere wurde der Mangel an Kinder- und Jugendpsychiatern, Dermatologen, Neurologen und Gynäkologen beklagt. Insgesamt sehen die befragten Ärzte eher ein Aussterben der klassischen Einzelpraxen und die Zukunft in Gemeinschaftspraxen. In dem Zusammenhang sprachen sich die Ärzte mehrheitlich dagegen aus, dass die medizinischen Versorgungszentren (MVZ) von Krankenhausträgern betrieben würden. Auch wünschen sich die Ärzte geänderte Zulassungsbedingungen der Kassenärztlichen Vereinigung, damit mehr auf regionale Bedürfnisse eingegangen werden könne.

Rund 40 Interessierte kamen zu der Veranstaltung.

Rund 40 Interessierte kamen zu der Veranstaltung.

Anschließend beleuchteten die Referenten die Problematik aus ihrer Sicht. So berichtete Frau von Borstel, dass auch das BKB die Probleme der ärztlichen Versorgung zu spüren bekomme. So sei die Zahl der Notfallpatienten von 7860 im Jahre 2007 auf 11137 im Jahre 2014 angestiegen, also um 45%! Patienten kämen nun auch vermehrt tagsüber, weil sie bei ihrem Haus- oder Facharzt keinen Termin bekämen. Ein ähnliches Bild ergebe sich bei der Gynäkologie. Hier seien die Zahlen von 600 (2009) auf 1400 (2013) Patientinnen angestiegen, ein Plus von fast 140%! Fazit: Das BKB leide unter dem Ärztemangel in Bergedorf. Herr Liedtke bestätigte im Prinzip die Analyse von Frau von Borstel. “Es gibt genug Ärzte in Hamburg, aber sie sind schlecht verteilt.” Denn Ärzte ließen sich dort nieder, wo sie ambesten verdienen könnten. Und das sei nun mal eher an der Alster als in den Randbezirken. Eine Lösung wären kleinteiligere Versorgungsgebiet in Hamburg. Dann würde aber die Ärztemenge steigen, gab Liedtke zu bedenken. Frau Gündüz schloss sich aus SPD-Sicht der Forderung nach einer Aufteilung Hamburgs in kleinere Versorgungsgebiete an. Ein entsprechender Antrag sei auf Initiative der Lohbrügger und Bergedorfer SPD vom SPD-Landesparteitag verabschiedet worden. Einer der Gründe für die langen Wartezeiten bei Bergedorfer Ärzten liege darin, dass die hiesigen Praxen zu 50% von Menschen aus den Umlandgemeinden genutzt würden. Zudem sei ein neues Vergütungssystem für die ambulante Versorgung nötig. Herr Brinckmann hielt eine bessere Verteilung der Ärzte nur über ein entsprechenden Anreizsystem für möglich. Es könne auch nicht sein, dass die Ärzte pro Patienten im Quartal nur einen Festsatz von 35 Euro bekämen, egal wie häufig dieser behandelt werde. Hier müsse das Vergütungssystem geändert werden. Und es müssten hausärztliche MVZ gestärkt werden, was besonders für Frauen wichtig sei.

In der abschließenden Diskussion wurde noch einmal die falsche Geldverteilung deutlich. So seien die Budgets der Fachärzte in Hamburg in den letzten Jahren um insgesamt 48% gestiegen, die der Hausärzte nur um 2%. Dies zeige, dass die “sprechende” Medizin zugunsten der Gerätemedizin benachteiligt werde. Hier sei ein besseres Anreizsystem nötig. Insgesamt müsse der Bedarfsplan angepasst und in einigen Bereichen eine kleinteiligere Versorgungsplanung erfolgen, jedoch nicht bei den Hausärzten. Hausbesuche wurden als sinnvoll erachtet, insbesondere für behinderte Menschen, lohnten sich aber nur bei “großen Mengen”, z. B. Altenheime.

Michael Schütze

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